Insbesondere bei größeren Software-Projekten ist es für Auftraggeber und Auftragnehmer schwer alle Anforderungen zur Projektbeginn klar zu benennen und die Kosten sicher einzuschätzen. Ein klassischer Festpreis kann daher im weiteren Projektverlauf zu Problemen führen. Eine flexiblere Alternative, die dennoch eine kalkulierbare Budgetplanung zulässt und somit Preissicherheit für den Auftraggeber bietet, ist der agile Festpreis.

Der Projektablauf mit dem agilen Festpreis

Beim agilen Festpreis wird der Preis und der Zeitrahmen für das Projekt zu Beginn festgesetzt. In dem Wissen das sich die Anforderungen im Projektverlauf aber noch ändern werden, wird der Feature Scope zunächst teilweise offen gehalten.

Der folgende Ablauf veranschaulicht die Idee des agilen Festpreises:

  1. Ziele bestimmen

    Zu Beginn setzen Auftraggeber und Auftragnehmer die Anforderungen und Ziele des Projekts fest. Gemeinsam wird bestimmt, welche Funktionen auf jeden Fall umgesetzt werden sollen (Must have) und welche optional sind (Nice to have). Im Gegensatz zum klassischen Festpreisprojekt müssen jedoch nicht alle Anforderungen detailliert ausgearbeitet werden, wodurch unnötige Arbeit vermieden wird.

  2. Festpreis kalkulieren

    Der Auftragnehmer schätzt nun den Aufwand für die komplette Realisierung, sodass ein Preis ausgehandelt werden kann, mit welchem der Auftraggeber planen kann.

  3. Iterative Entwicklung

    Die eigentliche Entwicklung verläuft in einem agilen, iterativen Prozess, d.h. der Auftraggeber realisiert nicht das gesamte Projekt auf einmal, sondern zerteilt es in viele kleinere Teilprojekte, die jeweils in wenigen Wochen umgesetzt werden können.

  4. Anpassen

    Zwischen den einzelnen Entwicklungszyklen (den sogenannten Sprints) stimmen sich Auftragnehmer und Auftraggeber ab. Der Kunde gibt Feedback zum Zwischenstand und bestimmt, welche Funktionen im nächsten Sprint umgesetzt werden sollen. Er kann dabei auch neue Anforderungen einbringen.

  5. Projektabschluss

    Es wird solange iteriert, bis das zu Beginn vom Auftragnehmer kalkulierte Zeitbudget erschöpft ist. Allerdings müssen am Ende zumindest alle Must-Have-Features umgesetzt sein, sodass der Kunde in jedem Fall ein brauchbares Produkt erhält.

Vereinfacht dargestellt kann der agile Festpreis also als eine Reihe von Mini-Festpreisen verstanden werden.

Vorteile des agilen Festpreises

Der agile Festpreis vereint den Wunsch des Kunden nach einem sicheren, planbaren Preis mit dem Wissen des Dienstleisters, das sich Anforderungen im Projektverlauf ändern werden. Die kleinen Teilprojekte erhöhen die Flexibilität, bieten schnelle Lieferungen, frühes Feedback und damit höhere Qualität.

Auftragnehmer und Auftraggeber teilen sich das Risiko: Der Kunde erkennt an, dass gegebenenfalls nicht alle anfänglich festgelegten Anforderungen im geplanten Budgetrahmen umgesetzt werden können. Dafür kann er flexibel Änderungsanforderungen einbringen. Zudem kann er sicher sein am Ende ein funktionsfähiges Produkt zu erhalten, da der Auftragnehmer zusagt in jedem Fall die Must-Have-Anforderungen zu realisieren.

Voraussetzungen


Gegenseitiges Vertrauen und eine offene Kommunikation sind Voraussetzung für ein agiles Festpreisprojekt. Der Kunde ist sowohl an der Verwaltung des Zeitbudgets beteiligt, als auch an der Priorisierung und Auswahl der umzusetzenden Funktionen. Daher muss der Auftragnehmer stets transparent über den Fortschritt informieren. Wenn es zu einer notwenigen Änderung kommt, müssen beide Seiten sich einigen, wie damit umgegangen werden soll. Dieser Umstand erfordert eine partnerschaftliche Beziehung zwischen den beiden Seiten.

Fazit

Sobald ein Software-Projekt einen größeren Umfang erreicht (>20.000€), bietet der agile Festpreis den idealen Kompromiss aus Preissicherheit und Flexibilität, von dem beide Seiten profitieren. Im Gegensatz zum klassischen Festpreis müssen nicht alle Anforderungen zu Beginn festgesetzt werden. Trotzdem kann der Kunde sich sicher sein, ein funktionales Produkt zum festen Preis zu erhalten.

Photo by Štefan Štefančík on Unsplash