Die meisten unserer Auftraggeber wünschen sich ein Angebot zum Festpreis. Wir kennen diese Art der Vergütung aus unserem Alltag: Beim Änderungsschneider, beim Partyservice oder beim Steuerberater erhalten wir eine Leistung zu einem vorher festgelegten Preis. Bei der Rechnung gibt es dann keine bösen Überraschungen. Es ist allzu verständlich, dass Auftraggeber sich diese Sicherheit auch bei einem Software-Projekt wünschen, insbesondere wenn es die erste Zusammenarbeit mit einer Digitalagentur ist.

Voraussetzungen für ein Festpreisprojekt

Damit ein Festpreisprojekt erfolgreich sein kann, muss vor der Preisverhandlung klar sein, was genau eigentlich umgesetzt werden soll. Für den Kunden heißt das, dass er ein detailliertes Lastenheft schreiben muss, das alle gewünschten Funktionen auflistet. Und der Auftragnehmer muss daraus ein nochmal umfassenderes Pflichtenheft erstellen, in dem der Lösungsweg detailliert beschrieben wird. Nur wenn alle Wünsche und Anforderungen vor Projektbeginn offen auf dem Tisch liegen, kann der Preis auch festgesetzt werden.

Schwierigkeiten bei Software-Festpreisen

Im Gegensatz zum Änderungsschneider, Partyservice und Steuerberater ist die Entwicklung von Individualsoftware kein standardisierte Leistung, sondern hochgradig individuell. Als Auftraggeber wollen Sie ja eben keine Standardsoftware, sondern ein Produkt, das genau auf Ihre Anforderungen zugeschnitten ist. In der Praxis gibt es daher häufig Probleme bei Festpreisprojekten:

  1. Nicht alle Anforderungen sind zu Beginn klar


    Bei vielen Projekten ist es sehr schwer zu Beginn alle Anforderungen festzusetzen. In fast allen Projekten kommen im Laufe der Realisierung Änderungs- oder Erweiterungswünsche auf, wenn man die Software tatsächlich vor sich hat. Die Anforderungen zu Beginn festzulegen ist eine sehr abstrakte, theoretische Tätigkeit, die selbst Software-Profis schwer fällt und viel Zeit in Anspruch nimmt. Einmal erstellt sind beide Seiten auf die vereinbarten Funktionen festgenagelt. Jede Änderung muss extra gezahlt werden, wodurch der Festpreis dann doch gar nicht mehr so fest ist.


  2. Nicht alles kann geschätzt werden


    Basierend auf dem Lasten- und Pflichtenheft muss der Auftragnehmer die Aufwände schätzen, um einen Preis festsetzen zu können. Schätzungen liegen leider oft daneben. Zum einen weil wir Menschen von Natur aus optimistisch sind und nicht gern über mögliche Schwierigkeiten nachdenken. Zum anderen, weil jedes Softwareprojekt anders ist und es nur begrenzte Erfahrungswerte gibt. Eine erfahrende Agentur wird daher einen großzügigen Sicherheitspuffer auf die Schätzung aufschlagen, um im Zweifelsfall nicht drauf zu zahlen. Im Ergebnis zahlen Sie als Kunde oft zu viel.


  3. Die Qualität kann leiden

    
Hat der Auftragnehmer die Aufwände zu niedrig eingeschätzt, muss er die Leistung trotzdem zum vereinbarten Preis abliefern. Hier zahlt es sich für Sie aus, wenn ein detailliertes Pflichtenheft vorliegt, in dem genau definiert ist, was zu leisten ist. Ansonsten kann der Auftragnehmer dazu verleitet zu sein, die Funktionen ‚irgendwie‘ noch fertig zu stellen, notfalls auch mit mangelhafter Qualität.

Tipp

Wenn Sie sich noch nicht vollständig über die Anforderungen im Klaren sind oder Schwierigkeiten bei der Formulierung eines Lastenhefts haben, kann ein gemeinsamer Requirements-Workshop mit der Agentur Klarheit schaffen. Vereinbaren Sie, dass Sie als Ergebnis ein Lastenheft erhalten, das Sie auch anderweitig verwenden können.

Für welche Projekte der Festpreis geeignet ist


Bei allen Risiken: Ein Festpreisprojekt kann durchaus Sinn ergeben. Fordern Sie ruhig einen festen Preis bei kleinen bis mittleren Projekten (bis 20.000€) mit geringem Innovationsanteil, deren Anforderungen zu Beginn bereits zu mindestens 95% feststehen. Beispielsweise wenn Sie eine App von Android zu iOS portieren lassen wollen. Oder wenn Sie einen Relaunch Ihrer Website durchführen wollen und bereits ein neues Design ausgearbeitet haben.

Welche Alternativen es zum Festpreis gibt

Bei allen anderen Software-Projekten ist der Festpreis weder für Auftragnehmer noch für Auftraggeber die beste Wahl. Alternative Vergütungen sind Time and Material und der agile Festpreis.

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