Progressive-Web-Apps (PWAs) bietet viele Vorteile gegenüber klassischen Apps und Webanwendungen. Trotzdem haben sie sich noch nicht auf breiter Front durchgesetzt. In diesem Artikel erfahren Sie, was PWAs heute schon leisten können, wo es noch Nachholbedarf gibt und wann Sie eine PWA dennoch in Betracht ziehen sollten.

2015 wurde Progressive-Web-Apps auf einer Konferenz vom Google-Entwickler Axel Russell erstmals vorgestellt. Viele große Marken wie Uber, Tinder, Twitter und Starbucks erkannten das Potenzial und investierten in die Entwicklung einer PWA. Das renommierte Marktforschungsinstitut Gartner prognostizierte daraufhin, dass 50 % aller nativen Apps für Endanwender bis 2020 durch PWAs ersetzt würden. Diese Prognose hat sich offensichtlich nicht bewahrheitet. Doch was waren die Gründe?

Was genau ist eine Progressive-Web-App?

Es gibt keine genaue Definition für PWAs, da es sich eher um ein Konzept als um eine tatsächliche ‚Technologie‘ handelt. Dennoch ist das Konzept ziemlich einfach: Es handelt sich um eine browserbasierte Webanwendung, die mit den neuesten Webtechnologien erstellt wird, um den Benutzern auf jedem Gerät - egal ob Mobilgerät, Desktop oder natürlich im Web - ein natives, app-ähnliches Erlebnis zu bieten.

Native Apps...
  • werden speziell für ein Betriebssystem (z.B. Android oder iOS) entwickelt
  • sind dauerhaft auf einem Gerät installiert (App-Icon)
  • können Gerätefunktionen wie z.B. Push Notifications, Standortabfrage, Bluetooth-Verbindungen, Hintergrunddienste, Schrittzähler und viele mehr nutzen
  • können auch ohne Internetverbindung gestartet werden
Websites...
  • funktionieren auf jedem Betriebssystem, solange ein Browser zur Verfügung steht
  • werden über eine URL (z.B. www.lumind-solutions.com) aufgerufen
  • haben Zugriff auf nur wenige Gerätefunktionen
  • können nur mit Internetverbindung genutzt werden
PWAs...
  • werden im Browser aufgerufen und ausgeführt
  • können zum Homescreen hinzugefügt werden und offline aufgerufen werden
  • haben Zugriff auf Gerätefunktionen wie Push Notifications, Kamera, Nutzerstandort etc.
  • sehen nativen Apps oft zum Verwechseln ähnlich, können aber auch auf größeren Bildschirmen wie Laptops verwendet werden
self-Logo
PWAs vereinen die Reichweite von Web-Apps mit dem Funktionsreichtum von native Apps

Welche Vorteile bieten Progressive-Web-Apps?

Google-Entwickler Axel Russell empfand das Aufkommen von nativen Apps als Rückschritt in die 90er Jahre, als das Internet noch nicht weit verbreitet war. Er bezeichnete native Apps als „Walled Gardens“, also geschlossene Systeme, bei denen die Systembetreiber (z.B. die Betreiber der App-Stores) die Regeln aufstellen und kontrollieren. Im Gegensatz dazu basieren PWAs auf öffentlichen Webtechnologien, wodurch sich einige Vorteile ergeben.

Vertrieb

❌ Native Apps müssen über einen App-Store distribuiert werden und die App-Store Richtlinien erfüllen.
✅ PWAs können schnell und einfach auf einem Server gehostet werden. Die Distribution über den Play-Store ist bei Android jedoch zusätzlich möglich.

Verfügbarkeit

❌ Native Apps müssen vor der Verwendung im App-Store gedownloadet werden und sind oft zwischen 10 und 80 MB groß, wodurch der Nutzungsbeginn verzögert wird.
✅ PWAs werden einfach im Browser aufgerufen und sind oft nur 1–3 MB groß, sodass sie fast unmittelbar verfügbar sind.

Provisionen

❌ Bei nativen Apps verlangen Google und Apple 15–30 % Provision für In-App-Käufe und bezahlte Abonnements.
✅ Bei PWAs können Zahlungen ohne Abzug von Provisionen empfangen werden.

Suchmaschinen

❌ Inhalte in nativen Apps sind nicht im Internet auffindbar und können (fast) nicht verlinkt werden.
✅ Inhalte in PWAs können von Suchmaschinen erfasst werden und jeder Inhalt kann einfach verlinkt werden.

Updates

❌ App-Updates von nativen Apps sind aufwändig. Oft dauert es mehrere Wochen, bis ein Update bei allen Nutzern angekommen ist.
✅ Bei PWAs werden Updates automatisch beim nächsten App-Aufruf heruntergeladen und aktiviert.

Entwicklungskosten

❌ Native Apps müssen für jedes Betriebssystem separat gebaut werden, sodass die Entwicklung aufwändiger ist.
✅ Bei PWAs muss nur eine Version der App entwickelt werden, sodass die Entwicklung meistens schneller und günstiger ist.

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Wie verbreitet sind Progressive-Web-Apps?

Die Prognose von Gartner, dass 50 % aller native Apps bis 2020 durch PWAs ersetzt seien, ist nicht eingetreten. Die Popularität von native Apps scheint bisher ungebrochen. Wie viele PWAs es im Internet mittlerweile gibt, ist aber gar nicht so einfach zu ermitteln, denn es ist nicht klar definiert, ab wann eine Web-App als PWA gezählt werden kann.

Einzelne PWA-Technologien wie Push-Notifications und der Service-Worker - ein Proxy, der o.a. für Offline-Speicherung von Inhalten verwendet wird - werden von sehr vielen Webseiten, wie z.B. Nachrichten-Seiten und sozialen Netzwerken eingesetzt. Daher handelt es bei solchen Seiten, je nach Begriffsauslegung, eigentlich um PWAs, auch wenn sie für die Endnutzer nicht als ‚App‘ zu erkennen sind. Bislang verbreiten sich PWA-Technologien also eher still und heimlich im Hintergrund, anstatt native Apps auf breiter Front abzulösen. Dennoch bieten gerade große Unternehmen PWAs zusätzlich zu ihren nativen Apps an und profitieren von der dadurch zusätzlich gewonnenen Reichweite.

Warum ist die Verbreitung von PWAs nicht höher?

Viele Entscheidungsträger in Organisationen außerhalb von Tech-Companies haben PWAs als Alternative zu nativen Apps überhaupt nicht auf dem Schirm. Und auch für einige Endnutzer ist die Vorstellung eine App im Browser zu suchen und auszuführen noch ungewohnt. Hören sie das Wort ‚App‘ suchen sie danach im App-Store.

Ein zweites Problem ist der eingeschränkte Funktionsumfang, da nicht alle Browserhersteller die PWA-Features vollumfänglich unterstützen. Insbesondere Apple - der Hersteller des Safari-Browsers auf iOS und MacOS - drückt bei der Implementierung der PWA-Standards auf die Bremse. Mutmaßlich aus Angst, dass der Apple AppStore an Bedeutung verlieren könnte, wodurch auch die Umsätze des Konzerns geschmälert würden.

Welche Features sind aktuell (Stand 2022) mit PWAs realisierbar?

Die folgende Tabelle zeigt, welche Features auf welchen Geräten und Plattformen möglich sind.

Android (Chrome) Android (Firefox) iOS (Safari) Desktop (Chrome/Edge) Desktop (Firefox)
Offline-Modus Ja Ja Ja Ja Ja
Hintergrund-Synchronisierung von Daten Ja Nein Nein Ja Nein
Web Share (Inhalte teilen) Ja Ja Ja Teilweise Nein
Push-Notifications Ja Ja Nein Ja Ja
Lokale Notifications Nein Nein Nein Nein Nein
Download über App-Store Ja N/A Nein Nein Nein
Hinzufügen zum Home-Screen Ja Ja Nur manuell Ja Nein
Bluetooth Ja Nein Nein Ja Nein
NFC Ja Nein Nein Nein Nein
Biometrische Authentifizierung (z.B. Fingerabdruck, FaceID) Ja Nein Ja Ja Ja
Zugriff auf Audio- und Video Ja Ja Teilweise Ja Ja
Audio- und Videoaufnahmen Ja Ja Ja Ja Ja
Vibration Ja Ja Nein Ja Ja
Zugriff auf Kontaktbuch Ja Nein Nein Nein Nein
Standortzugriff Ja Ja Ja Ja Ja
Lage- und Beschleunigungssensor Ja Ja Ja Ja Ja

Generell bietet Chrome für Android und Desktop den größten Funktionsumfang, dicht gefolgt von Firefox. Safari hat leider in vielen Bereichen noch Nachholbedarf.

Sollte ich meine App als PWA oder native App programmieren lassen?

Dank PWA-Technologien können Web-Apps immer mehr Features anbieten, die bisher nativen Apps vorbehalten waren. Beide Technologien haben ihre Vor- und Nachteile, sodass die Entscheidung anhand der konkreten App-Idee abgewogen werden sollte.

Entwickeln Sie eine native App, wenn die App…
  • auf Gerätefunktionen zugreifen muss, die im Web nicht (vollumfänglich) unterstützt werden
  • auch laufen soll, wenn der Nutzer das Smartphone gerade nicht verwendet (z.B. Corona-Warn-App, Schrittzähler)
  • mit komplexen Multitouch-Interaktionen bedient werden soll (z.B. Snapchat)
  • rechenintensive Operationen auf dem Gerät durchführen muss (z.B. Machine Learning, Bildverarbeitung)
  • besonders iOS-Nutzer ansprechen soll
  • am besten über den App-Store vertrieben werden sollte (z.B. weil Nutzer dort nach vergleichbaren Apps suchen)
  • regelmäßig und andauern genutzt werden wird
Entscheiden Sie sich für eine Progressive-Web-App, wenn…
  • der Download für Nutzer schnell und einfach sein muss (z.B. über einen QR-Code)
  • die App nur gelegentlich oder sogar nur einmalig verwendet werden soll
  • die App auch am Laptop oder PC genutzt werden können soll
  • viele Nutzer Käufe über die App durchführen werden, bei denen bei nativen Apps 15–30 % Verkaufsgebühren fällig würden
  • die App von einer Listung bei Google mehr profitiert, als durch die Verfügbarkeit im App-Store
  • Ihr Budget endlich ist

Fazit

Auch wenn der Hype aus der Anfangsphase der PWAs etwas abgeflaut ist, bieten PWAs spannende technische und strategische Möglichkeiten. Aktuell tummeln sich in den App-Stores von Google und Apple viele Apps, die besser als Web-App umgesetzt worden wären. Prüfen Sie daher zu Beginn, ob Ihre App-Idee von einem der technischen Stolpersteine betroffen ist, die es aktuell insbesondere auf iOS bei PWAs noch gibt. Falls nicht, ist die PWA im Jahr 2022 eine vielversprechende Alternative für Ihr Projekt.

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